Woher kommt die Schulpflicht ?

 

 

Wir müssen unterscheiden zwischen Schulpflicht und Schulzwang.

 

Die Schulpflicht geht im Wesentlichen zurück auf die Reformen Preußens zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

 

Und das kam so :

 

Nach den Irrungen der Französischen Revolution und den Napoleonischen Kriegen hatte man "Ruhe im Karton" (logisch, wer Kriege führen muss, hat nicht sehr viele Ressourcen frei, um sich um innenpolitische Reformen, z.B. eine Schulreform,  zu kümmern).

 

Der Staat Preußen hatte also die Idee, zum ersten Mal eine allgemeine Schulpflicht einzuführen - im Paket mit diesen Maßnahmen:

 

- allgemeine Wehrpflicht, allgemeine Steuerpflicht, allgemeine Schulpflicht.

 

Das heißt, Kinder kamen erst in die Schule, anschließend zum Militär, alles unter staatlicher Obhut. Ein Schelm wer Arges dabei denkt...

Aber nein, man muss diese Reformen unter dem Blickwinkel der damaligen Zeit sehen. Für die Zeit um den Wiener Kongress waren dies tatsächlich Schritte zu einer gemäßigten Modernisierung. So war beispielsweise die Einführung einer allgemeinen Schulpflicht durchaus eine Verbesserung der Lebensverhältnisse.

 

Warum ?

 

Bildung war häufig ein Privileg der Bessergestellten, die sich einen Haus- und Privatlehrer leisten konnten. Die einfache Bevölkerung wurde nicht mit Bildung bedacht.

Mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht wurden zum ersten Mal flächendeckend alle Kinder erfasst.

 

Die arme Landbevölkerung konnte nicht mehr sagen : Unsere Kinder müssen bei der Feldarbeit mithelfen, also können sie nicht zur Schule gehen.

Schule hatte Vorrang - ob das in der Praxis auch so war, mag einmal dahinstehen.

 

Diese Schulpflicht war aber noch nicht so drastisch ausgeprägt wie heute. Einen regelrechten "Schulzwang" gibt es erst seit der Zeit des Nationalsozialismus. Das heißt, Kinder müssen am staatlichen Schulunterricht teilnehmen, im Prinzip ohne Ausnahme, wenn nicht, werden sie im Zweifel von der Polizei abgeholt, Eltern, die sich dem staatlichen Schulzwang widersetzen, kommen unter Umständen in Erzwingungshaft.

 

Cool. Echt zeitgemäß.

 

Ist die Schulpflicht in ihrer jetzigen Form hilfreich ?

 

Wohl kaum. Die Schulpflicht ist im Kern 200 Jahre alt - für damalige Verhältnisse durchaus ein Fortschritt - und beruht auf Erwägungen des preußischen Gesetzgebers. Ich gehe davon aus, dass der heutige Gesetzgeber durchaus in der Lage ist, eine zeitgemäße Verpflichtung zum Lernen zu schaffen, die nicht mehr die Lebensrealität zur Zeit des Wiener Kongresses vor Augen hat, sondern heutige Verhältnisse : Bildungspluralität durch eine Vielzahl von Bildungsangeboten, "You Tube" als digitale Schule, ein stark erweiterter Lebenshorizont im Vergleich zum Leben vor 200 Jahren.

 

Völliger Müll ist der "Schulzwang" aus der Zeit des Nationalsozialismus, der aber heute noch in unseren Schulgesetzen fortlebt. Eltern werden kriminalisiert, die alternative Unterrichtskonzepte suchen (z.B. Homeschooling), die in den Vereinigten Staaten erfolgreiche Normalität sind.

 

Aber "man muss doch etwas lernen" ?

 

Richtig - man muss auch arbeiten - und die meisten Menschen tun dies auch - obwohl es in Deutschland kein "Arbeitspflichtgesetz" gibt. Komisch, oder ?

 

Es gibt Notwendigkeiten des Lebens, dazu gehören Essen, Arbeiten, Sich-Fortpflanzen (sonst würden wir ja aussterben), Lernen. Die Menschen tun dies in der Regel aus eigenem Antrieb, ohne staatliche Monopolzwänge, und es funktioniert meistens prima. Nur dort, wo es nicht funktioniert, darf in Ausnahmefällen über staatliche Eingriffe und Zwangsmaßnahmen nachgedacht werden.

 

Es ist schädlich, der Masse der Menschen, die im Wesentlichen ganz gesund sind, einen Monopolzwang zum Lernen überzustülpen.

 

Die jetzige alt-preußische Staatsmonopollernpflicht ist weder hilfreich noch zielführend; deswegen gibt es auch so viele unlösbare Schulprobleme, die sich aus dem "System Schule" selbst ergeben, und nicht "von außen" , also durch faule Schüler, umverschämte Eltern, angeblich immer zu wenig Geld und scheinbare permante Überforderung der Lehrer durch ständige gesellschaftliche Veränderungen .

 

Verantwortlich für diesen Beitrag:

 

Privatlehrer Mark-Thomas Hödtke

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